Start Archiv

Suche

Besucherstatistik

Zugriffe seit dem 01.05.2009
Heute:382
Gestern:531
Diesen Monat:10300
Besucher gesamt:775475

Was den Lausitzer Nelkenapfel so wertvoll macht

Von Gabriel Wandt


Zu klein für die EU, aber wichtig für die Region. Das ist der Apfel. Deshalb darf er nun in der Arche des Geschmacks mitfahren.

Klein ist er, appetitlich sieht er aus, und kaum jemand würde auf die Idee kommen, einen bedrohten Apfel in der Hand zu halten. Und doch sei das so, sagen Gerd Hummitzsch vom Landschaftspflegeverband Zittauer Gebirge und Arno Glauch von der Slow-Food-Bewegung. Und weil der kleine Apfel so selten und so besonders ist, wird ihm jetzt ein ganz besonderer Schutz zuteil: Der Lausitzer Nelkenapfel wurde in die Arche des Geschmacks aufgenommen, als erster sächsischer Passagier überhaupt. Das erklärt Arno Glauch, der in Bautzen als Rechtsanwalt arbeitet und das sogenannte Convivium Lausitz leitet, die Oberlausitzer Regionalgruppe von Slow Food. Diese weltweite Bewegung hat es sich auf die Fahnen geschrieben, regionale Kreisläufe zu stärken – Erdbeeren beispielsweise nur dann zu essen, wenn vor Ort Erdbeersaison ist – und Tier- und Pflanzenarten zu bewahren, die in den großen Supermärkten durchs Raster fallen.


Durchs Raster fällt der Lausitzer Nelkenapfel tatsächlich: Nämlich durchs Raster der EU-Beamten, die nicht nur Krümmungsgrade von Gurken festlegen, sondern auch Mindestgrößen für Äpfel. Die schafft der kleine Lausitzer nicht, und deswegen sei er mit einem europaweiten Handelsverbot belegt, erklärt Arno Glauch.

Auf manchen Oberlausitzer Streuobstwiesen, in Hausgärten und an manchen Straßen stehen sie aber noch, die Bäume, an denen der kleine bedrohte Kerl wächst. Doch die Bäume sind 50 bis 70 Jahre alt, sie werden weniger, und mit ihnen die Zahl der Äpfel. Deswegen soll die alte Art jetzt gerettet werden. Doch bis der Lausitzer Nelkenapfel in die Arche des Geschmacks aufgenommen wurde, musste er einen weiten Weg zurücklegen. Dafür wurde schon 2010 ein Antrag an eine Slow-Food-Kommission gestellt, die das Ansinnen intensiv geprüft hat. Pomologen, also Obstbaukundler, haben ihn auf Herz und Nieren geprüft. Arche-Passagiere müssen vom Aussterben bedroht sein, identitätsbildend für die Region sein und einen Beitrag zur geschmacklichen Vielfalt leisten. Natürlich darf ein Arche-Passagier nicht genmanipuliert sein, und erwerben können muss man ihn auch: All das wurde eingehend geprüft, und nun ist der Lausitzer Nelkenapfel einer von 1000 Passagieren aus 130 Ländern. Deutschland ist bislang übrigens vergleichsweise schlecht in der Arche vertreten: Der Nelkenapfel ist erst die deutsche Nummer 34 unterden gut schmeckenden Mitfahrern.

Dabei kennt ihn in der Oberlausitz fast jeder, sagt Gerd Hummitzsch vom Landschaftspflegeverband, auch wenn kaum jemand wisse, wie der Apfel eigentlich schmecke. Da aber nun offenbar immer mehr auf den guten Geschmack kommen, werde der Nelkenapfel jetzt auch in der Oberlausitz rar: Wer ihn in seinem Garten habe, wolle ihn nicht mehr hergeben. Mit regionalen Baumschulen sei man nun dabei, neue Bäume heranzuziehen, an denen der Lausitzer Nelkenapfel wächst.

Und weil man Bewusstsein für guten Geschmack am besten schon bei Kindern weckt, gibt es in der Region noch ein Projekt rund um den kleinen Süßen: „Der Apfel für die Kinderhand“, heißt es wegen der handlichen Größe des Nelkenapfels. Dass findige Lausitzer Geschmacksspezialisten schon Tee, Mus, Aufstrich oder Suppe aus dem besonderen Apfel hergestellt haben, versteht sich fast von selbst.

Arno Glauch ist nun gespannt, ob es weitere Lausitzer Passagiere in die Arche schaffen könnten. Die Zittauer Gelbe – eine Zwiebelsorte – wäre so ein Kandidat, meint er. Dafür müsste sich aber erst einmal jemand die Arbeit machen und eine ausführliche Betrachtung und Begründung vorlegen.

Quelle: http://www.sz-online.de/nachrichten/artikel.asp?id=3188706

 

Termine Dresden

Dresden: VINELLO.tasting - Wein & Brot im VINELLO.Store
Beginn: 17.11.17, 20:00

Dresden: Weihnachtsfeier
Beginn: 05.12.17, 19:00

Termine Lausitz

Slow Food Lausitz kocht
Beginn: 21.11.17, 17:00

Weihnachten in der Obermühle
Beginn: 06.12.17, 18:00

Termine Leipzig-Halle

Wir schlachten ein Schwein
Beginn: 02.12.17, 05:30
Ende: 02.12.17, 13:00